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Björn Werner: „My American Football Dream“

Millionen TV-Zuschauer können nicht irren: American Football ist ein absoluter Trendsport, der Super Bowl nicht mehr aus den deutschen Wohnzimmern wegzudenken. Ein Mann, an dem man nicht nur aufgrund seiner Körpergröße nicht vorbeikommt, ist Björn Werner. Der ehemalige NFL-Profi arbeitet heute als TV-Experte, Talentscout und Host des erfolgreichsten deutschen Sport-Podcasts.

In „My American Football Dream“ gibt er einen exklusiven Einblick hinter die Kulissen des Profi-Football und erzählt mitreißend von seinem ganz persönlichen deutsch-amerikanischen Traum. Bereits sein Karrierestart mit dem Sprung in die Nationalmannschaft war absolut ungewöhnlich, denn der gebürtige Berliner war erst 14 Jahre alt – und für die Liga damit zu jung! Wie jeder sportbegeisterte Jugendliche träumte Björn Werner von einer Profi-Karriere und schaffte es nach einem Umzug in die USA tatsächlich bis in die National Football League (NFL). Wie sein märchenhafter Aufstieg aus einfachen Verhältnissen in die Weltspitze gelang, welche Hindernisse es zu überwinden galt und was es heißt, auf höchstem Niveau in der größten Liga der Welt zu spielen, davon berichtet „The Berlin Wall“ erstmals in diesem Buch. Zusammen mit Bestseller-Autor Nils Weber erzählt er offen, detailreich und mit viel Humor von Triumphen und Tiefschlägen, vom Leben in den USA, dem Glanz und den Schattenseiten der NFL, die vor allem eines ist: ein knallhartes Milliarden- Business. Mit nur 26 Jahren wurde der 1,92-Meter-große Hüne von Verletzungen gestoppt und musste seine Karriere beenden. Heute arbeitet er erfolgreich als TV-Experte, Talentscout und Podcaster und brennt dafür, dem Sport in Deutschland zu noch mehr Popularität zu verhelfen.

„My American Football Dream“ ist die faszinierende Lebensgeschichte eines einfachen Jungen aus dem Wedding, der eine kometenhafte Karriere bis in die nordamerikanischen NFL durchlief, und ein packender Insiderblick in den aktuell angesagtesten US-Sport.

DIE AUTOREN

Björn Werner

Björn Werner, geboren 1990 in Berlin, war einer der erfolgreichsten deutschen Football-Profis. Am College von Florida State avancierte er zu einem der besten Spieler in den USA und wurde als erster Deutscher in der ersten Runde des NFL-Drafts von den Indianapolis Colts ausgewählt. Heute arbeitet er als TV-Experte und Talentscout.

Nils Weber

Nils Weber, 1977 in Flensburg geboren, ist Sportredakteur bei der „Hamburger Morgenpost“, Fachgebiete Boxen, der FC St. Pauli, Handball. 2018 schrieb er zusammen mit Stefan Kretzschmar den Bestseller „Hölleluja! – Warum Handball der absolute Wahnsinn ist“ (Edel Books). Als leidenschaftlicher Footballfan reiste er bereits mehrfach in die USA, um dort NFL- und auch College-Spiele live zu erleben.

UNSER AUTOR IM INTERVIEW

EDEL BOOKS – Du bist eines der bekanntesten Gesichter des American Football in Deutschland, arbeitest als TV-Experte und internationaler Talentscout. Außerdem hast du bereits eine eigene Football-Doku produziert. Was macht für dich persönlich die Faszination des Spiels, vor allem im Vergleich zu anderen Sportarten, aus?

BJÖRN WERNER Es ist ein Schachspiel mit Menschen. 11 Männer gegen 11 Männer auf dem Spielfeld. Es gibt ein umfangreiches Playbook, bei dem alle wissen: „Ich habe einen Job in diesem Spielzug und wenn ich den in den Sand setze, kann ich meinem Team richtig wehtun.“ Das ist ein großer Unterschied zu allen anderen Teamsportarten da draußen.

Außerdem ist es faszinierend, dass American-Football- Spieler so vielseitige Athleten sind. Du bist auf gewisse Art und Weise ein Bodybuilder, der im Fitnessstudio hart trainieren muss, um Muskeln aufzubauen. Zweitens bist du draußen und übst wie ein Leichtathlet, wie ein Sprinter, damit du explosiv laufen kannst. Dann trainierst du wiederum wie ein Olympischer Gewichtheber, damit nicht nur die Muskulatur da ist, sondern auch die Schnellkraft. Du musst in jedem Bereich dein Bestes geben, damit du am Ende der bestmögliche Footballspieler bist. Und zu guter Letzt: Football ist sehr physisch und du darfst legal deine Aggressionen auf dem Feld rauslassen – natürlich innerhalb des Regelwerks!

Der Klassiker und Einstiegssport für viele Kinder, vor allem Jungs, ist nach wie vor Fußball. Wie bist du damals zum American Football gekommen?

In meiner Grundschule gab es eine Flag-Football-AG, bei der ich zum ersten Mal mit Football in Berührung gekommen bin. Ein Schulkamerad, der damals bei den Berlin Adlern Flag Football gespielt hatte, sagte zu mir: „In unserem Schulteam bist du ganz schön gut und athletisch. Möchtest du nicht mal mit zu den Adlern kommen?“. Eine Woche später bin ich mitgegangen und Zack!, habe ich mich in die Sportart verliebt.

Nachdem du bereits in deiner Heimatstadt Berlin bei den Adlern und sogar in der deutschen Nationalmannschaft gespielt hattest, hast du im Alter von 16 Jahren den großen Schritt gewagt und bist in die USA gegangen. Wie kam es dazu?

In jungen Jahren war ich sehr talentiert und bin sehr schnell gewachsen, sodass ich mit den älteren Spielern mithalten konnte. Dadurch hatte ich die Chance, sehr früh in der U19-Nationalmannschaft zu spielen und bin in der Football-Welt direkt aufgefallen. Mein Headcoach Jörg Hofmann, der zu dem Zeitpunkt mein Mentor war, sagte irgendwann zu mir: „Wir müssen einen Weg finden, dich in die USA zu schicken. Du hast das Zeug! Du bist nicht nur athletisch und talentiert, sondern hast es auch im Kopf – du hast die Motivation, die Selbstdisziplin. Wenn es einer schafft, dann du!“

2013 hast du das erreicht, wovon jeder Nachwuchsspieler träumt: Du wurdest für die größte Liga der Welt, die NFL, gedraftet. Sogar in der ersten Runde des Auswahlverfahrens, was zuvor noch keinem deutschen Spieler gelungen war. Was würdest du rückwirkend sagen, sind die wichtigsten Komponenten, um es bis ganz nach oben zu schaffen?

Selbstdisziplin ist das wichtigste. Du musst wissen, dass dir auf dem Weg sehr viele Steine in den Weg gelegt werden und es viele Ablenkungen gibt. Da musst du sehr diszipliniert sein und dir immer wieder vor Augen führen: Was sind meine Prioritäten? Was sind meine Ziele? Selbstmotivation ist auch sehr wichtig: Du musst viele, viele, viele Stunden abseits des Feldes investieren – in dich. Um dich mit Videoanalysen, Ernährung oder Recovery als Footballspieler weiterzuentwickeln. Daran scheitern die meisten Talente, weil sie diese kleinen Sachen nicht machen. Alle im College-Football sind gute Athleten, alle sind talentiert. Aber viele schaffen nicht den Sprung in die NFL, weil es woanders hapert.

Was hat dich dazu gebracht, deine Geschichte zu Papier zu bringen und in „My American Football Dream“ einen Einblick hinter die Kulissen des Profi-Football zu geben?

Meine Geschichte soll Inspiration für Jugendspieler in Deutschland sein und hoffentlich den ein oder anderen motivieren, irgendwann auch den großen Sprung zu riskieren. Außerdem habe ich viel erlebt, was sicher interessant für viele Fans ist. Sie bekommen tiefere Einblicke als beispielweise durch unseren Podcast oder die TV-Sendung, da dort oft die Zeit fehlt.

Aber das wichtigste und mein Hauptziel ist, dass meine Töchter, die jetzt 5 und 3 Jahre alt sind, in zehn oder 20 Jahren dieses Buch lesen und sagen: „Boah, das hat mein Vater alles erreicht?!“ Und dass sie stolz auf Papa sind.

Wie ist die Zusammenarbeit mit Nils Weber, der für den Nr.-1-Bestseller „Hölleluja!“ mit Handball-Legende Stefan Kretzschmar verantwortlich zeichnete, gelaufen?

Ich hätte mir keinen besseren Co-Autor wünschen können als Nils Weber! Wir hatten von Anfang an eine Megaconnection. Er weiß ganz genau, wie er die Sachen schreiben soll. Und das Geschriebene repräsentiert komplett meinen Charakter. Er ist so tief eingetaucht in diese Welt und ich konnte mich ihm komplett öffnen.

Was er hier zu Papier gebracht hat, nachdem er sich mit mir ein paar Monate lang einmal die Woche getroffen hat, ist unfassbar gut. Ich bin sehr gespannt, wie das Buch bei den Fans ankommt und denke, die werden es alle genauso feiern, wie wir das tun.

In den USA hast du am eigenen Leib die Football-Begeisterung der Amerikaner erlebt. Wie erklärst du Dir den Hype, der auch in Deutschland in den vergangenen Jahren immer größer wurde?

In den letzten Jahren haben es sehr viele Deutsche in die NFL geschafft, was natürlich ein großes Medieninteresse ausgelöst hat. Außerdem hat „ranNFL“ einen besonderen Weg gefunden, dass es vielen Fans Spaß macht, sich mit Football auseinander zu setzen. Die Sendung transportiert einfach eine familiäre Atmosphäre. Was man so aus der Football-Community raushört, ist, dass viele genervt sind von der normalen Sportberichterstattung anderer Sportarten, wo es monoton und langweilig zugeht und die TV-Gesichter sich ein bisschen verstellen. Ich glaube, die Deutschen wollen halt etwas anderes, eine Abwechslung. Und deswegen funktioniert das so gut.

Neben deiner Tätigkeit als TV-Experte bei „ranNFL“ betreibst du gemeinsam mit Patrick „Coach“ Esume den meistgehörten deutschen Sport-Podcast: Wie erklärst du dir den Erfolg von „Football Bromance“?

Wir haben beide gesagt: Football-Deutschland ist so groß. Und es wird Zeit, dass den Fans auch etwas unter der Woche und in der Off-Season über die NFL geboten wird. Sie bekommen nicht nur unsere persönliche Erfahrung, sondern auch die Informationen rund um die NFL – somit musst du nur den Podcast hören und bist immer up-to-date. Diese Mischung aus Entertainment, wer wir beide sind, Information und Erfahrung macht es zu einem erfolgreichen Podcast.

2016 hast du gemeinsam mit deinem ehemaligen Highschool- Coach Chris Adamson die Scouting-Agentur, jetzt Non-Profit-Organisation, „Gridiron Imports“ gegründet. Ihr unterstützt junge, internationale Football- Talente in ihrem Ziel, eine Profi-Karriere in den USA zu starten. Wie kam es zu diesem Engagement?

Wir wollten einfach eine Brücke bauen für weitere Björn Werners, Sebastian Vollmers, Markus Kuhns, Kasim Edebalis. Es gibt viele Talente, die einfach nicht wissen, wo sie sich melden sollen. Und wie man es schafft. Wir wollten das Ganze ein bisschen weniger umständlich gestalten und eine Plattform kreieren, sodass wir den Jungs einfach unter die Arme greifen und sie in die USA schicken können – natürlich wenn sie gut genug sind.

Du hast verletzungsbedingt bereits im Alter von 26 deine aktive Karriere beenden müssen. Hand aufs Herz: Juckt es noch in den Fingern, sich das Ei zu schnappen und aufs Feld zu sprinten oder einen Gegner zu tackeln?

Ja, auf jeden Fall! Man erinnert sich zurück und fragt sich immer: „Könnte man das vielleicht nicht doch noch machen?“ Oder: „Was wäre, wenn man gesund gewesen wäre?“ Das ist bei mir der Fall. Aber trotzdem bin ich nicht traurig und jetzt, zu diesem Zeitpunkt in meinem Leben, sehr zufrieden. Manchmal bin ich im Fitnessstudio und will unbedingt eine bestimmte Übung machen, bei der ich denke: „Ach, geil, weißt du noch, als du so ein Athlet warst und diese Sachen machen konntest… Was ist denn jetzt passiert?!“

LESEPROBE

What the f…?!

Mein „Welcome to the NFL“-Moment

Mein Puls hatte es ziemlich eilig. Ich spürte ein Kribbeln von den Fußspitzen bis zur Kopfhaut unter meinem Helm. Mit einem Griff ins Gesichtsgitter ruckelte ich ihn noch einmal zurecht. Ich bewegte meine Finger. Alle noch dran. Ich war nervös. Das war ich immer vor einem Footballspiel, aber diesmal stellte ich einen neuen Rekord auf. Tief durchatmen. In die Anspannung mischte sich Euphorie, die ich jedes Mal verspürte, wenn ich mit Helm und Pads einen Rasen mit weißen Linien betrat. Jetzt kannte sie keine Grenzen. Ich fieberte diesem unvergleichlichen Moment entgegen, in dem der braune Ball in Bewegung gesetzt wird, das Adrenalin in die Blutbahn schießt, der Körper zu einem einzigen Muskel wird, bereit zu explodieren und zu kollidieren, und ich endlich mittendrin sein würde – in meinem ersten Play in der NFL.

Das handgenähte Ei aus Leder, um das sich mein Leben drehte, thronte an der gegnerischen 35 Yard Line auf dem Kicking Tee, und wartete auf einen gewaltigen Arschtritt.

Es war das zweite Spiel der Preseason, die für die 32 Teams das Vorspiel zur Saison bildet. Eigentlich keine große Sache, aber für mich als Rookie war es das Allergrößte, denn ich gab meinen Einstand im Trikot der Indianapolis Colts und damit auch mein Debüt in der größten und umsatzstärksten Liga der Welt, in der die besten Footballer dieses Planeten spielten.

Im ersten Vorbereitungsspiel hatte ich aufgrund einer Fußverletzung passen müssen und das war vielleicht auch ganz gut so, denn wir waren im eigenen Stadion von den Buffalo Bills böse verdroschen worden. Anschließend hatte der Besitzer der Colts, der exzentrische Milliardär Jim Irsay, die Spieler und Coaches heftig angezählt – auf eine für mich als Neuling sehr überraschende Weise: via Twitter. Mein neuer Oberboss mochte zwar doppelt so alt sein wie ich, aber in Sachen Social Media war er mir weit voraus. Ich hatte gehört, die Preseason sei nicht so entscheidend, aber Irsay sah das offensichtlich anders. Er nahm sein Team in die Pflicht und ich als First Round Pick stand ohnehin unter besonderer Beobachtung.

Für meine Premiere hätte ich mir keinen besseren Schauplatz wünschen können als das MetLife Stadium, Heimat der Giants und der Jets. Meine Begeisterung hatte nichts mit der Arena oder diesen beiden Teams zu tun, sondern mit der Stadt, in der sie zu Hause sind. New York City. Big Apple. Gotham. City of Dreams. Mit diesem meinem ersten NFL-Spiel wurde die Stadt endgültig zum Knotenpunkt meines eigenen Traumes. Es passte einfach perfekt und rangierte auf der Kitsch- Skala für filmreife Zufälle definitiv im Grenzbereich.

Nicht einmal zwanzig Autominuten entfernt von diesem gigantischen Stadion, am Newark Airport, hatte ich Jahre zuvor erstmals amerikanischen Boden betreten. Ganz allein, fast noch ein Kind, in der schweißnassen Hand einen Koffer und im Kopf einen Traum. Ungefähr zehn Kilometer Luftlinie nach Osten, im Herzen von Manhattan, in der Radio City Music Hall, war dieser Traum dann in Erfüllung gegangen, am schlimmsten schönen Tag meines Lebens. Noch gar nicht lange her, nur wenige Monate, und doch schon wieder weit weg.

Vergangenheit. Es ging alles so verdammt schnell. Im Hier und Jetzt drosch der Kicker der Giants, die kurz zuvor mit einem Field Goal die ersten Punkte des Spiels erzielt hatten, den Ball in hohem Bogen in Richtung unserer Endzone. Ich war on fire. Ich hatte einen Job zu erledigen und wollte alles richtig machen. Meine Aufgabe bestand darin, als Teil des Kickoff Return Teams unseren Returner zu beschützen, der den Ball fangen und bei guter Position so weit wie möglich zurücktragen sollte.

Dafür musste ich einen der Gegenspieler blocken, die in unsere Spielhälfte stürmen würden, um unseren Returner zu stoppen. Ich war in der sogenannten Wedge postiert, der hintersten Verteidigungsreihe, was bedeutete, dass mein Gegenspieler im Moment der geplanten Kollision den Speed eines rund 50 Meter langen Anlaufes draufhatte.

Ehe ich mich versah, raste ein muskelbepackter Linebacker direkt auf mich zu, schneller, als ich erwartet hatte. Ich machte mich bereit für den Block, nahm die Hände nach vorne, lehnte den Oberkörper vor, stemmte mich im letzten Moment mit aller Kraft voran – und blockte ins Nichts. Im allerletzten Moment hatte sich der Typ in Höchstgeschwindigkeit mit einem Spin Move um die eigene Achse und um mich herumgedreht und war weitergerannt, während ich auf allen Vieren auf dem Rasen hockte wie ein Hund, der seinen Knochen sucht. Ich schaute über die Schulter und sah sah, wie mein Gegenspieler unseren Returner voll erwischte und dieser den Ball verlor.

Fumble! Mir stockte der Atem und ich musste mitansehen, wie der Ball scheinbar in Zeitlupe herrenlos über das Grün eierte. Dann warf sich einer unserer Spieler auf den Ball und sicherte ihn. Ach. Du. Scheiße. Ich wusste, dass ich es verkackt hatte. Immerhin waren wir noch in Ballbesitz, aber mein Gegenspieler hatte mich, den Rookie, so richtig alt aussehen lassen – mit gravierenden Folgen. Als ich ziemlich bedröppelt an unsere Sideline trottete, machte mich unser Special Teams Coordinator Tom McMahon sicherheitshalber noch einmal höflich darauf aufmerksam.

„Björn, what the fuck?!“ Das war nicht gerade etwas, das man nach seiner ersten Aktion in seinem ersten NFL-Spiel hören möchte. Ich fluchte innerlich, denn ich wusste, dass ich mir diese Szene noch ein paarmal würde anschauen müssen – und zwar im Kreise meiner Mitspieler bei der Analyse des Spiels, bei der selten die guten, aber immer die schlechten Plays noch einmal gezeigt wurden, gern auch in mehrfacher Wiederholung. Das kannte ich schon aus dem College. Na toll, dachte ich, Leinwand-Held im Meeting Room, das fängt ja gut an …

Als der erste Ärger verraucht war, fragte ich mich, ob das gerade vielleicht dieser spezielle Moment gewesen war, von dem mir einige der erfahreneren Spieler im Team erzählt hatten. Ein Aha-Erlebnis, bei dem ein Rookie realisiert, dass NFL-Football nochmal einmal auf einem anderen Level ist als das Spiel, das man bis dato gespielt hat.

Schneller, härter, höher, weiter, besser. Ein Spiel, bei dem jede Aktion sitzen muss und jeder Fehler bestraft wird.

Einer der Veteranen nannte es den „Welcome to the NFL“-Moment, den jeder Neuling in den ersten Wochen der Saison erlebe. Ein Reality Check, der hart, schmerzhaft und mitunter auch peinlich ausfallen könne, aber sehr lehrreich sei. Schmerzhaft war es in meinen Fall zwar nicht gewesen, denn ich hatte meinen Gegenspieler ja so richtig schön verfehlt, aber alles andere traf durchaus zu.

Als ich später in einer der hinteren Reihen unserer abflugbereiten Chartermaschine saß, die uns zurück nach Indianapolis bringen würde, ließ ich mein Highlight des Spiels nochmal Revue passieren: Mit einem Phantom-Block hatte ich einen Fumble eingeleitet. Ich wollte mich gerade schon wieder aufregen, da ging mir ein Licht auf – und es war nicht die kleine Lampe über meinem Kopf.

Sollte dies tatsächlich mein Welcome to the NFLMoment gewesen sein, dann bedeutete das ja, dass ich es hinter mir hatte. Je länger ich darüber nachdachte, desto besser gefiel mir meine Theorie. Lieber in der Preseason ein Play verkacken, als in der Regular Season, wenn es um Punkte geht! Was war denn schon passiert? Nichts. Wir hatten das Spiel am Ende gewonnen, Jim Irsay twitterte Morgenluft, die Coaches hatten mich wieder lieb und ich hatte meine Lektion gelernt – bei der erstbesten Gelegenheit. Und überhaupt, sagte ich mir, es kann doch nur besser werden!

Ich begann mich zu entspannen, schaute aus dem Fenster auf das Lichtermeer von New York City und dachte daran, wie das alles angefangen hatte mit meinem American Football Dream.

Quelle: EDEL BOOKS + Björn Werner
Fotos: © Wolf Flux/ProSieben + Florian Quandt

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